Religiöse Mystik

Die verschiedenen mystischen Strömungen innerhalb der Weltreligionen

1.1 Christliche Mystik:

Der Ursprung der christlichen Mystik ist in den Gotteserfahrungen der Mystiker der Kirche zu finden. Im späten Mittelalter unterschied der französische Theologe Johannes Gerson die Theologia mystica als experimentelle Erkenntnis Gottes bzw. Erfahrungswissen von Gott (cognitio dei experimentalis) von einem lehrhaft vermittelbaren theoretischen Wissen von Gott (cognitio dei doctrinalis).
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Buch von Kurt Ruh
Geschichte der abendländischen Mystik. 5 Bde. Beck, München 1990-1999.
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1.2 Hinduistische Mystik

Nach hinduistischen Lehren ist eine Einheitserfahrung mit dem göttlichen Brahman möglich. Das ist in Worten kaum wiederzugeben, da Begriffe es nicht fassen. Typische Beschreibungen bedienen sich Metaphern wie: das Bewusstsein weitet sich ins Unendliche, ist ohne Grenzen, man erfährt sich aufgehoben in einer Wirklichkeit unaussprechlichen Lichts und unaussprechlicher Einheit (Brahman). Dieser Einheitserfahrung entspricht die Lehre der Einheit von Atman („Seele“) und göttlichem Brahman.
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Artikel von: Amaladass, Anand
ZEITSCHRIFT FÜR MISSIONS-WISSENSCHAFT UND RELIGIONS-WISSENSCHAFT 90 (2006): Die mystische Dimension des Hinduismus/88-100
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1.3 Buddhistische Mystik

In der buddhistischen Mystik, die insbesondere in den Strömungen des Mahayana und Vajrayana verbreitet ist, geht es wie in allen buddhistischen Schulen nicht um direkte Erfahrung eines göttlichen Wesens. Die Natur des Geistes wird als nicht-dual verstanden. Dies ist jedoch in der Regel nicht bewusst und wird durch das Anhaften am Ich verschleiert. Aus dieser grundlegende Unwissenheit entsteht die Vorstellung eines unabhängig von anderen Phänomenen existierenden Ichs.
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Buch von Daisetz T. Suzuki
Der westliche und der östliche Weg. Über christliche und buddhistische Mystik. Neuaufl. Ullstein, Frankfurt am Main u.a. 1995.

1.4 Daoistische Mystik aus China

Die in China entstandene Philosophie und Religion des Daoismus besitzt in ihren verschiedenen Formen eine spezifische Mystik. Schon die ältesten Texte die sich mit dem Dao, dem Urgrund des Daseins, befassen, das Daodejing und Zhuangzi, beschäftigen sich mit der Idee des Erlangens des Ureinen und der mystischen Inneschau sowie einer bestimmten geistigen Haltung, die den daoistischen Mystiker auszeichnet.
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1 .5 Islamische Mystik mit dem Sufismus

Vertreter des Sufismus (islamische Mystiker) lehren, dass Gott in jeden Menschen einen göttlichen Funken gelegt hat, der im tiefsten Herzen verborgen ist. Diesen Funken verschleiert die Liebe zu allem, was nicht Gott ist - etwa Wichtignehmen der (materiellen) Welt, sowie Achtlosigkeit und Vergesslichkeit (siehe Nafs). Nach dem Propheten Mohammed sagt Gott den Menschen: „Es gibt siebzigtausend Schleier zwischen euch und Mir, aber keinen zwischen Mir und euch.“
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Buch von Ansari, Abdallah
Abdallah ibn Muhammad al-Ansari, bekannt auch als Pir-e Herat, war ein sufischer Gelehrter und Koranexeget der hanbalitischen Lehrrichtung. Er schrieb seine Werke zum Teil in arabischer, und zum Teil in persischer Sprache.

1 .6 Jüdische Mystik
Im Judentum hat die Mystik besonders in der Kabbala eine breite Tradition. Mehr auf rationale Sicht des Glaubens bedachte Denker haben diese Bewegung oft kritisiert.
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Buch von Rabbi Arjeh Kaplan
Sefer Jezirah - 'Das Buch der Schöpfung'
Für die meisten Menschen ist das Wort Kabbala ein Synonym für die mystische Erfahrung par excellence.

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